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Ausmisten: eine Kunstform?

Ausmisten neu definiert

Wer kennt das bitteschön nicht. Irgendwann findet man sich in der Situation wieder, auf eine Hochzeit, einem Date, dem Geburtstag, eine Unternehmensfeier oder einem Gala Dinner eingeladen zu werden. Panik hält sich für den Moment noch geschlossen. Wieso sollte es uns auch in Unruhe versetzen? Leichter gesagt als getan. Spätestens ein Tag vor dem Ereignis kommt es zu Aktivitäten, die wir eigentlich umgehen wollten. Panisches Aufsuchen des Kleiderschranks bis zur unmittelbaren Verzweiflung . Denn die Frage, die von Anfang an mitschwang und diese uns auf penetranteste Weise nun verfolgt lässt uns nicht mehr los.

 

Was ziehe ich denn an?

Die Frage aller Fragen versuchen wir über mehrere Überlegungen zu beantworten. Zum einen, was findet sich in unserem Kleiderschrank wieder. Kann ich damit der Veranstaltung gerecht werden? Sind diese Fragen von uns beantwortet worden erfolgt wohl der schwierigste Schritt. Der Gang zum Kleiderschrank. Neben Fehlkäufe, Modesünden und Etiketten an Kleider finden sich auch einige unserer Lieblingsstücke wieder.

 

Schon gewusst,…

dass allein im Jahr 2016 knapp 3,7 Milliarden Euro für Fehlkäufe ausgegeben wurden. Am häufigsten im Textilbereich, wie konnte es auch anders sein? Rechnet man beziehungsweise teilt diese ungeheure Summe pro Kopf auf die Menschen in Deutschland auf, so schmeißt durchschnittlich jeder Bürger knapp 140 Euro aus dem Fenster für Fehlkäufe. Eine Summe, welches besser investiert werden könne in einem Wochenendtrip.

 

Wieso reagieren wir so emotional auf unsere Lieblingsstücke?

Seien wir mal nicht so pessimistisch. Schließlich können wir doch davon ausgehen, dass der Großteil des Inhaltes unseres Kleiderschranks als viele Lieblingsstücke zu identifizieren sind. Während bei der Einen die Tasche oder das asymmetrische Kleid als Lieblingsstücke gekennzeichnet sind, sind es bei der Anderen ihre geliebten Blusen. Sicherlich befinden sich so einige Lieblingsstücke auch in deinem Kleiderschrank. Abgetragene Heels von denen du dich keineswegs trennen möchtest.

 

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Etliche Diskobesuche, angeheiterte Gespräche mit deiner Busenfreundin auf dem Klo, durchtanzte und ausgelassene Spaziergänge mit deinem Schwarm verknüpfst du symbolisch mit dem Heel. Wieso sich also von denen trennen? Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wieso wir nicht dann uns direkt für dieses Lieblingskleidungsstück entscheiden? Sind wir etwa weiterhin darauf bedacht gar beschämt wie uns andere wahrnehmen? Das wir lieber den Normen der Veranstaltung an Wichtigkeit zuweisen statt unserem innerlichen Wohlbefinden. Oder liegt es vielmehr darin, dass wir versuchen Neues auszuprobieren, schlicht wandelbar auf Veränderungen aus sind, statt an das Sichere festzuhalten? So oder so bleibt ein Lieblingsstück in der einen Ecke des Kleiderschrank, den wir mit einem Blick erhaschen können. Ähnlich einem Gedankenpool, wo wir jederzeit auf vergangene Erinnerungen zurückgreifen können.

 

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Ausmisten ist nicht gleich Ausmisten

Auch ich beschloss mich mit der Frage auseinderzusetzen, was zieh ich bitte an? Das Öffnen des Kleiderschranks lieferte nicht die Antwort, sondern brachte ein neues Problem hervor. Innerlich zu hören: Schon mal etwas vom Ausmisten gehört? Nicht nur gedacht, sondern auch direkt das Großprojekt Ausmisten mich angenommen. Doch dabei beschloss ich mich von Sachen zu trennen, die keine Fehleinkäufe waren, sondern vielmehr mich an das Erinnern lassen, was man versucht, unerbittlich aufrechtzuerhalten. Ausmisten heißt nämlich nicht nur Sachen loszuwerden, sondern auch alte Erinnerungen los zulassen. Und glaubt mir, niemand lässt gerne los. Die Kunst besteht vor allem darin zu fragen, brauch ich das wirklich zum glücklich werden? Oder andersherum gefragt:

Hindert mich es am glücklich werden?

Ich konnte es mit ja beantworten. So sehr die Sachen auch mir gefielen, würde es nicht dazu kommen sie anzuziehen. Zu einem, dass ich keinen triftigen Anlass finde, um es zu tragen, und das der einzige Anlass der bestünde, ein Trugbild darstelle an dem man versucht festzuhalten. Doch wieso sollten die Sachen eingepfercht in eine blaue Plastiktüte verschwinden. Es gibt schließlich genug Möglichkeiten, um aus den verschwendeten Gedanken einen Prozess abzuleiten, der für mich das Ausmisten beinhaltet. Nicht nur um sich von Sachen zu verabschieden, sondern anderen die Möglichkeit zu geben in den Sachen nicht nur optisch etwas Schönes zu finden, sondern sich wohl darin genug zu fühlen um Sie auch zu tragen.

 

 

Bestes Beispiel..

ist das Urgestein Ebay Kleinanzeigen oder aber auch Kleiderkreisel. Beide Verkaufsplattformen ideal um Produkte wie Kleidung, aber auch Möbel an Interessenten zu verkaufen, gar zu tauschen oder aber auch Sachen zu verschenken. Im wahrsten Sinne des Wortes war es noch nie so einfach, schnell und kostengünstig seinen Kleiderschrank auszumisten, der Welt es zu präsentieren. Die Plattform Kleiderkreisel, von einem litauischen Unternehmen ins Leben gerufen und zu der Mutterfirma Vinted zugehörig, existiert seit 2009 in Deutschland online. Was angefangen hat als Tauschplattform für Kleidung hat inzwischen an Internationalität gewonnen und konnte um weitere Optionen erweitert werden.

Hier können „Kreisler“ ihre Schätze, die einem nicht mehr gefallen, zum Tausch, zum Verkauf oder zum Verschenken anbieten. Für Andere wiederum die perfekte Möglichkeit, langgesuchte Produkte als Schnäppchen zu ergattern. Für die einen mag es wirklich wie ein mühseliger Prozess aussehen. Vom Einstellen bis hin zum Abwicklung des Verkaufs. Für die Anderen jedoch eine moderne Kunstform, welches sich mit seinem persönlichen Ausmisten befasst. Sozusagen ein letztes Mal sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen. Ein Foto zu schießen, dass dem Shirt gerecht wird und eine Beschreibung aufzusetzen, welches dem Gegenüber den Zweifel nimmt. Der härteste Prozess, vielleicht auch an Emotionalität gebunden wird jedoch der sein, wo der Versand vorbereitet wird. Einmal ein Freude Moment, da dass Produkt weg ist, man es los ist und daran noch etwas verdient hat. Gleichzeitig zu wissen, dass es einem nicht mehr gehört, sondern jemand anderem. Und das ist, was wir beim Ausmisten vergessen. Die Kunst, dass wir in dem Moment nicht nur loslassen für etwas Neues, sondern das Losgelassene in seiner Form, uns nicht mehr gehört.

 

P.S.: nach gefühlten 24 Stunden entschied ich mich auch für ein passendes Outfit. Den Anlass erfährt ihr im nächsten Beitrag.

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